Lokalaugenschein im Land der Rechten
Heute war eine schweizer Journalistin bei mir, die für eine französischsprachige Zeitung in Basel schreibt. Sie macht einen Lokalaugenschein im Land, das rechts gewählt hat. Vorarlberg wurde ausgesucht, weil an die Schweiz angrenzend. Ihre Fragen werfen ein Schlaglicht darauf, wie außerhalb unserer kleinen Welt verfolgt wird, was hier geschieht:
"Wie erklären Sie sich, dass 30% Ihrer Landsleute bei der letzten Wahl rechte bis extrem rechte Parteien gewählt haben?"
"Wieso war das auch in Ihrem Bundesland so, das doch wirtschaftlich erfolgreich, kulturell sehr aktiv und - zum Beispiel in der Architektur - äußerst innovativ ist?"
"Wir haben die Massenhysterie rund um den Tod des Herrn Haider verfolgt - und nicht verstanden. Was ist Ihre Erklärung?"
"Sie haben hier in Vorarlberg 14% Ausländeranteil. Wir in Basel mehr als 30%. Wieso ist das hier so ein Konfliktthema?"
"Werden die rechten Parteien in Österreich von den anderen Parteien offensiv bekämpft oder hat man sich arrangiert?"
"Sind die WählerInnen dieser Parteien Rechtsradikale?"
"Hat das Wahlverhalten in Österreich etwas mit der Österreichischen Geschichte zu tun?"
Die Schwierigkeit im Gespräch war, die allzu einfachen Antworten zu vermeiden. Der Blick von außen ist ziemlich offen und dadurch einigermaßen gnadenlos. Sich dem zu stellen und auch die eigenen Antworten in Frage zu stellen führte zu einer Frage, die ich mir hintennach selber stellte: Entspricht die eigene Sicht der Dinge nun einer Anpassungsleistung, der Kapitulation oder einer realistischen Strategie mit dem umzugehen, was ist?
Nach mir wurde die FPÖ interviewt.
Das Ergebnis wird zu lesen sein Ende der Woche in LE TEMPS.
Nachtrag am 19.11.2008: sorry, hat gedauert, jetzt ist die Übersetzung da:
Le-Temps-Artikel-Nov-08l (pdf, 13 KB)
"Wie erklären Sie sich, dass 30% Ihrer Landsleute bei der letzten Wahl rechte bis extrem rechte Parteien gewählt haben?"
"Wieso war das auch in Ihrem Bundesland so, das doch wirtschaftlich erfolgreich, kulturell sehr aktiv und - zum Beispiel in der Architektur - äußerst innovativ ist?"
"Wir haben die Massenhysterie rund um den Tod des Herrn Haider verfolgt - und nicht verstanden. Was ist Ihre Erklärung?"
"Sie haben hier in Vorarlberg 14% Ausländeranteil. Wir in Basel mehr als 30%. Wieso ist das hier so ein Konfliktthema?"
"Werden die rechten Parteien in Österreich von den anderen Parteien offensiv bekämpft oder hat man sich arrangiert?"
"Sind die WählerInnen dieser Parteien Rechtsradikale?"
"Hat das Wahlverhalten in Österreich etwas mit der Österreichischen Geschichte zu tun?"
Die Schwierigkeit im Gespräch war, die allzu einfachen Antworten zu vermeiden. Der Blick von außen ist ziemlich offen und dadurch einigermaßen gnadenlos. Sich dem zu stellen und auch die eigenen Antworten in Frage zu stellen führte zu einer Frage, die ich mir hintennach selber stellte: Entspricht die eigene Sicht der Dinge nun einer Anpassungsleistung, der Kapitulation oder einer realistischen Strategie mit dem umzugehen, was ist?
Nach mir wurde die FPÖ interviewt.
Das Ergebnis wird zu lesen sein Ende der Woche in LE TEMPS.
Nachtrag am 19.11.2008: sorry, hat gedauert, jetzt ist die Übersetzung da:
Le-Temps-Artikel-Nov-08l (pdf, 13 KB)
rauch - 14. Okt, 16:19
b_logo (Gast) - 16. Okt, 19:45
keine angst
ums image, würde ich sagen. erstens: du bist sicher einer kompetenter auskunftegeber; zweitens: ein journalist der sich in der wirklichkeit bewegt und seine sinne bei der recherche anwendet und schreibt, was er sieht, hört und erfahren hat ist eine bereicherung nicht nur für die zeitung, sondern auch für die leser/innen und in der folge des konkreten falles also für uns, über die er schreibt; und schließlich ist vermutlich sein interesse nicht ohne hintergrund: immerhin haben unsere nachbarn, bis weit in den westen hinein, mit christoph blocher und seinen getreuen eine durchaus respektable truppe im land, so respektabel, dass sie unseren blau-schwarz-organgen rechten leicht das wasser reichen können. und CB war und ist jemand in der schweizer politik...
vielleicht suchte die dame ja trost bei den armen nachbarn in autriche...
aber du hast schon recht: die fragen zeigen WIE jemand schaut, die antworten können zeigen, was jemand sieht...
das ergebnis in LE TEMPS ist so soder so sicher interessant und (irgendwie) lehrreich...
vielleicht suchte die dame ja trost bei den armen nachbarn in autriche...
aber du hast schon recht: die fragen zeigen WIE jemand schaut, die antworten können zeigen, was jemand sieht...
das ergebnis in LE TEMPS ist so soder so sicher interessant und (irgendwie) lehrreich...
rauch - 16. Okt, 23:04
das mit blocher:
war noch interessant. sie meinte, seit er abgewählt wurde (war ja ein riesen skandal) zerfällt seine partei. das glaube ich zwar noch nicht ganz, aber die risse sind spürbar. sie hat mich dann gefragt, ob das wohl in österreich auch so gewesen wäre, dass (ähnliches system vorausgesetzt, also konzentrationsregierung) haider/strache abgewählt worden wären. ich sagte: eher nicht. spannende frage!
Friedrich Eberharter (Gast) - 24. Okt, 09:28
Artikel?
Ich kann ja noch etwas Französisch und hab deshalb auf der Le Temps-Seite den Artikel "Plus d'un Autrichien sur quatre a voté pour l'extrême droite dans le Vorarlberg" gefunden.
Allerdings ist er nicht (mehr?) kostenfrei zugänglich.
Gibt es eine andere Möglichkeit, zu dem Artikel zu kommen (idealerweise auf Deutsch)?
Allerdings ist er nicht (mehr?) kostenfrei zugänglich.
Gibt es eine andere Möglichkeit, zu dem Artikel zu kommen (idealerweise auf Deutsch)?
jo-hanson (Gast) - 12. Nov, 00:04
ist der text schon da?
mario (Gast) - 14. Nov, 08:47
original
vielleicht kannst Du uns vorerst mal das Original hier rein stellen.
Danke!
m
Danke!
m
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