Warnung: zu lang für einen blogeintrag!!
Am Samstag habe ich drei Nobelpreisträger getroffen.
Alternative Nobelpreisträger.
Hans-Peter Dürr (Deutschland). Manfred Max-Neef (Chile). Nicanor Perlas (Philippinen).
"Projekte der Hoffnung" hat sie ins Land gebracht zu einer Tagung.
Das Referat von Manfred Max-Neef ist - den vielleicht hilflosen - Versuch wert, in Stichworten und Bruchstücken widergegeben zu werden:
Wir (die Menschheit) sind 2007 nicht zufällig dort, wo wir sind. Dass wir sind, so wir sind, ist zurückzuführen auf eine lange Reihe zurückliegender Entscheidungen, die an entscheidenden Weggabelungen getroffen wurden: Zur Zeit des Franz von Assisi (Liebe) und des Niccolo Machiavelli (Macht); zur Zeit des Francis Bacon (Naturbeherrschung) und des Pica de la Mirandola (es gibt viele Wahrheiten); zur Zeit des Giordano Bruno (Erde ist Leben und hat eine Seele) und des René Descartes (Der Mensch als Maschine);
zur Zeit von Galileo und Newton (Naturgesetze) und des - wissenschaftlichen - Johann Wolfgang von Goethe (metaphysische Sicht auf die Welt in ihrer Ganzheit).
[Wohin jeweils abgebogen wurde, ist leicht zu erraten...]
(...)
Wissen allein führt niemals zum Verstehen. Verstehen und Wissen müssen zusammengeführt werden. Dazu bedarf es einer neuen "Sprache". Jede Epoche hat ihre je eigene Sprache, ihren eigenen zentralen Diskurs, der jedoch im Kontext stand zu den zentralen Herausforderungen der Zeit: im 19. Jahrhundert die Konsolidierung des Nationalstaates; zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wirtschaftswissenschaft mit Keynes als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise; in den 50er/60er Jahren Wachstum und Entwicklung zur Verbesserung der Lebensverhältnisse;
seit den 70er Jahren bis heute: den neoliberalen Diskurs - der zum ersten Mal vollkommen entkoppelt ist von den zentralen Herausforderungen der Zeit. Ziel: die Anhäufung von Reichtum bei Wenigen auf Kosten fast aller anderen. Um dies zu überwinden braucht es einen Paradigmenwechsel entlang folgender Grundsätze:
1. Die Ökonomie ist für den Menschen da
2. Entwicklung hat mit Menschen zu tun, nicht mit Dingen
3. Wachstum ist nicht gleich Entwicklung
4. Ökonomie ohne Dienstleistung der Ökosystem ist unmöglich
5. Ökonomie ist ein Subsystem eines größeren Systems
Derzeit läuft es in allen 5 Punkten genau umgekehrt.
Die Grundbedürfnisse des Menschen sind nicht das, was die Werbung definiert, sondern:
Subsistenz
Schutz
Liebe
Partizipation
Verstehen
Musse
Kreativität
Identität
Freiheit
Defizite in auch nur einem dieser Felder generieren Pathologien, also Mangelerscheinungen, Krankheiten.
Der Glaube, dass nur immer fortschreitendes (Wirtschafts-)Wachstum Wohlstand und Wohlbefinden generieren ist so falsch wie weit verbreitet. (...) Ist der "Kipp-Punkt" erreicht, verbessert Wachstum weder Lebensqualität noch Wohlbefinden.
[An diesem Punkt trifft sich Neef exakt mit den Aussagen und Forschungen über die Entstehung und Erhaltung von Sozialkapital , Thema eine Enquete am Freitag im Landtag]
An die Stelle des Wachstumsfetischismus muss die Praxis des human scale development treten ("menschliches Maß"), inzwischen von vielen Schwedischen Kommunen umgesetzt. In der Raumplanung wird mittlerweile genau darauf gebaut...
So. Und das ohne Mitschrift!
Ein Zitat noch:
"Alle großen Bauwerke der Geschichte sind Produkte der Ineffizienz und Langsamkeit. Sie würden heute niemals gebaut werden. Aller Voraussicht nach werden jedoch der Kölner Dom oder die Chinesische Mauer auch in fünfhundert Jahren noch vorhanden sein - im Unterschied zum dem, was heute so gebaut wird..."
Über Nicanor Perlas vielleicht später. Sein Referat über die reuemütig bekehrten Gründungsjünger des Neoliberalismus und wie man mit web 2.0-Technologie die Welt revolutionieren kann war nämlich mindestens so gut!
Fazit: den Samstag investiert, Erkenntnis gewonnen und Freunde getroffen...
Alternative Nobelpreisträger.
Hans-Peter Dürr (Deutschland). Manfred Max-Neef (Chile). Nicanor Perlas (Philippinen).
"Projekte der Hoffnung" hat sie ins Land gebracht zu einer Tagung.
Das Referat von Manfred Max-Neef ist - den vielleicht hilflosen - Versuch wert, in Stichworten und Bruchstücken widergegeben zu werden:
Wir (die Menschheit) sind 2007 nicht zufällig dort, wo wir sind. Dass wir sind, so wir sind, ist zurückzuführen auf eine lange Reihe zurückliegender Entscheidungen, die an entscheidenden Weggabelungen getroffen wurden: Zur Zeit des Franz von Assisi (Liebe) und des Niccolo Machiavelli (Macht); zur Zeit des Francis Bacon (Naturbeherrschung) und des Pica de la Mirandola (es gibt viele Wahrheiten); zur Zeit des Giordano Bruno (Erde ist Leben und hat eine Seele) und des René Descartes (Der Mensch als Maschine);
zur Zeit von Galileo und Newton (Naturgesetze) und des - wissenschaftlichen - Johann Wolfgang von Goethe (metaphysische Sicht auf die Welt in ihrer Ganzheit).
[Wohin jeweils abgebogen wurde, ist leicht zu erraten...]
(...)
Wissen allein führt niemals zum Verstehen. Verstehen und Wissen müssen zusammengeführt werden. Dazu bedarf es einer neuen "Sprache". Jede Epoche hat ihre je eigene Sprache, ihren eigenen zentralen Diskurs, der jedoch im Kontext stand zu den zentralen Herausforderungen der Zeit: im 19. Jahrhundert die Konsolidierung des Nationalstaates; zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wirtschaftswissenschaft mit Keynes als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise; in den 50er/60er Jahren Wachstum und Entwicklung zur Verbesserung der Lebensverhältnisse;
seit den 70er Jahren bis heute: den neoliberalen Diskurs - der zum ersten Mal vollkommen entkoppelt ist von den zentralen Herausforderungen der Zeit. Ziel: die Anhäufung von Reichtum bei Wenigen auf Kosten fast aller anderen. Um dies zu überwinden braucht es einen Paradigmenwechsel entlang folgender Grundsätze:
1. Die Ökonomie ist für den Menschen da
2. Entwicklung hat mit Menschen zu tun, nicht mit Dingen
3. Wachstum ist nicht gleich Entwicklung
4. Ökonomie ohne Dienstleistung der Ökosystem ist unmöglich
5. Ökonomie ist ein Subsystem eines größeren Systems
Derzeit läuft es in allen 5 Punkten genau umgekehrt.
Die Grundbedürfnisse des Menschen sind nicht das, was die Werbung definiert, sondern:
Subsistenz
Schutz
Liebe
Partizipation
Verstehen
Musse
Kreativität
Identität
Freiheit
Defizite in auch nur einem dieser Felder generieren Pathologien, also Mangelerscheinungen, Krankheiten.
Der Glaube, dass nur immer fortschreitendes (Wirtschafts-)Wachstum Wohlstand und Wohlbefinden generieren ist so falsch wie weit verbreitet. (...) Ist der "Kipp-Punkt" erreicht, verbessert Wachstum weder Lebensqualität noch Wohlbefinden.
[An diesem Punkt trifft sich Neef exakt mit den Aussagen und Forschungen über die Entstehung und Erhaltung von Sozialkapital , Thema eine Enquete am Freitag im Landtag]
An die Stelle des Wachstumsfetischismus muss die Praxis des human scale development treten ("menschliches Maß"), inzwischen von vielen Schwedischen Kommunen umgesetzt. In der Raumplanung wird mittlerweile genau darauf gebaut...
So. Und das ohne Mitschrift!
Ein Zitat noch:
"Alle großen Bauwerke der Geschichte sind Produkte der Ineffizienz und Langsamkeit. Sie würden heute niemals gebaut werden. Aller Voraussicht nach werden jedoch der Kölner Dom oder die Chinesische Mauer auch in fünfhundert Jahren noch vorhanden sein - im Unterschied zum dem, was heute so gebaut wird..."
Über Nicanor Perlas vielleicht später. Sein Referat über die reuemütig bekehrten Gründungsjünger des Neoliberalismus und wie man mit web 2.0-Technologie die Welt revolutionieren kann war nämlich mindestens so gut!
Fazit: den Samstag investiert, Erkenntnis gewonnen und Freunde getroffen...
rauch - 2. Dez, 22:06
Where the hell is "Bad Diezlings"?
Nein, Sie müssen sich nicht dafür schämen, wenn Sie nicht wissen, wo Bad Diezlings ist, auch dann nicht, wenn Sie aus Vorarlberg sind!
Ich wußte es auch nicht, bis gestern.
Bad Diezlings ist ein altes Gasthaus in Hörbranz, ziemlich weit draußen im Gelände. Stattgefunden hat dort eine Podiumsdiskussion über die Nachnutzung des ehemaligen Autobahnzollamtes Hörbranz. Als es zwischen Österreich und Deutschland noch Grenzbalken gab, wurden dort Pässe kontrolliert. Jetzt liegt dort seit Jahren eine verkommene ehemalige Grenzstation ohne jede Nutzung. Große, asphaltierte Flächen, leerstehende, heruntergekommene Gebäude. Das Eingangsportal nach Österreich/Vorarlberg gleicht einem Grenzübergang zwischen der Ukraine und Weißrussland...
Im Jahr 1995 wurde heftig darüber gestritten, ob nun dort oder fünfzehn Kilometer weiter oben eine Autobahnraststätt errichtet werden soll. "Gewonnen" hat der Standort Hohenems, wo selbstverständlich bis dahin unverbaute Flächen in Anspruch genommen werden mussten. Hörbranz blieb, was es war: eine Zollruine.
Dann kamen die LKW-Frächter aus ganz Europa drauf, dass Diesel in Österreich billiger ist als in Deutschland. In kürzester Zeit entstanden in Hörbranz, kurz nach der Autobahnab- und Auffahrt große LKW-Tankstellen. Frequenz: 400 - 600 LKW pro Tag pro Tankstelle. Rund um die Uhr. Autowaschen inklusive.
Ersparnis pro LKW und Tankfüllung zwischen 200 und 300 Euro.
Dass dieser "Tanktourismus" nicht nur eine massive Belastung der AnrainerInnen darstellt, sondern die Energiebilanz des Landes zeimlich verzerrt, ist dem Energiebericht des Landes zu entnehmen:
energiebericht20061 (pdf, 296 KB)
Wäre im Jahre 1995 die Autobahnraststätte bei Hörbranz und nicht bei Hohenems gebaut worden, gäbe es den Tanktourismus trotzdem. Die LKWs blieben aber auf der Autobahn und würden nicht zwischen Wohnhäusern sich durchquälen.
Wie immer: Die politischen Fehlentscheidungen von gestern sind die "Sachzwänge" von heute....
Ich wußte es auch nicht, bis gestern.
Bad Diezlings ist ein altes Gasthaus in Hörbranz, ziemlich weit draußen im Gelände. Stattgefunden hat dort eine Podiumsdiskussion über die Nachnutzung des ehemaligen Autobahnzollamtes Hörbranz. Als es zwischen Österreich und Deutschland noch Grenzbalken gab, wurden dort Pässe kontrolliert. Jetzt liegt dort seit Jahren eine verkommene ehemalige Grenzstation ohne jede Nutzung. Große, asphaltierte Flächen, leerstehende, heruntergekommene Gebäude. Das Eingangsportal nach Österreich/Vorarlberg gleicht einem Grenzübergang zwischen der Ukraine und Weißrussland...
Im Jahr 1995 wurde heftig darüber gestritten, ob nun dort oder fünfzehn Kilometer weiter oben eine Autobahnraststätt errichtet werden soll. "Gewonnen" hat der Standort Hohenems, wo selbstverständlich bis dahin unverbaute Flächen in Anspruch genommen werden mussten. Hörbranz blieb, was es war: eine Zollruine.
Dann kamen die LKW-Frächter aus ganz Europa drauf, dass Diesel in Österreich billiger ist als in Deutschland. In kürzester Zeit entstanden in Hörbranz, kurz nach der Autobahnab- und Auffahrt große LKW-Tankstellen. Frequenz: 400 - 600 LKW pro Tag pro Tankstelle. Rund um die Uhr. Autowaschen inklusive.
Ersparnis pro LKW und Tankfüllung zwischen 200 und 300 Euro.
Dass dieser "Tanktourismus" nicht nur eine massive Belastung der AnrainerInnen darstellt, sondern die Energiebilanz des Landes zeimlich verzerrt, ist dem Energiebericht des Landes zu entnehmen:
energiebericht20061 (pdf, 296 KB)
Wäre im Jahre 1995 die Autobahnraststätte bei Hörbranz und nicht bei Hohenems gebaut worden, gäbe es den Tanktourismus trotzdem. Die LKWs blieben aber auf der Autobahn und würden nicht zwischen Wohnhäusern sich durchquälen.
Wie immer: Die politischen Fehlentscheidungen von gestern sind die "Sachzwänge" von heute....
rauch - 29. Nov, 11:01
Weggefährtin
Sabine Mandak ist eine lanjährige Weggefährtin:
Wir haben das grüne Schiff wieder flott gemacht, als es ziemlich havariert auf einem Riff gelegen hatte.
Damals waren wir zu zweit im Landtag und hatten kein Nationalratsmandat.
Jetzt sind wir zu viert im Landtag und Sabine sitzt im Nationalrat.
Am Montag sind wir beide im Landeskrankenhaus gesessen bei der Kontrolluntersuchung. Zufällig.
Dann, als das vorbei und alles gut war, bei ihr und bei mir, sind wir gemeinsam zu einer Veranstaltung gegangen.
Und haben darüber philosophiert, dass wir mittlerweile ein ziemlich weites Stück Weg zurückgelegt haben.
In jeder Hinsicht.
Es war ein guter, ein sehr guter Tag...
Wir haben das grüne Schiff wieder flott gemacht, als es ziemlich havariert auf einem Riff gelegen hatte.
Damals waren wir zu zweit im Landtag und hatten kein Nationalratsmandat.
Jetzt sind wir zu viert im Landtag und Sabine sitzt im Nationalrat.
Am Montag sind wir beide im Landeskrankenhaus gesessen bei der Kontrolluntersuchung. Zufällig.
Dann, als das vorbei und alles gut war, bei ihr und bei mir, sind wir gemeinsam zu einer Veranstaltung gegangen.
Und haben darüber philosophiert, dass wir mittlerweile ein ziemlich weites Stück Weg zurückgelegt haben.
In jeder Hinsicht.
Es war ein guter, ein sehr guter Tag...
rauch - 28. Nov, 17:52
Sachen gibt es.....
Nicht, dass mich wundert, dass sowas möglich ist!
Eher frage ich mich, warum ausgerechnet der Bestatter dafür zuständig ist...
Erfreulich ist, was sich beim Projekt vision.rheintal tut.
Die Aussichten stehen nicht schlecht, dass tatsächlich eine heiße Kartoffel endlich angefasst wird: die Schaffung überregionaler Betriebsgebiete und die Eindämmung des Ansiedlungskonkurrenzkampfes der Gemeinden, wo Hauen und Stechen um jeden Euro Kommunalsteuer das Motiv und eine unfassbare Zersiedelung und Zerspragelung des Landes das Ergebnis ist. Wenn das Kirchturmdenken dem Kooperationsgedanken endlich weichen würde (was noch lange dauern wird; ich bin zwar Optimist, aber nicht naiv!), wäre der Weg frei für Sinn statt Unsinn, Nutzen statt Schaden und Ersparnis statt Verschwendung.
Und wer Zeit hat zu lesen, wenn es finster und kalt wird, dem sei ans warme Herz gelegt:
Sabine Peters: Abschied (Berliner Taschenbuch Verlag)
Ignacio Padilla: Schatten ohne Namen (Tropen Verlag)
Weil es nutzlos ist, den Jahresrest (38 Tage) ausschließlich mit arbeiten zu verbringen...
Eher frage ich mich, warum ausgerechnet der Bestatter dafür zuständig ist...
Erfreulich ist, was sich beim Projekt vision.rheintal tut.
Die Aussichten stehen nicht schlecht, dass tatsächlich eine heiße Kartoffel endlich angefasst wird: die Schaffung überregionaler Betriebsgebiete und die Eindämmung des Ansiedlungskonkurrenzkampfes der Gemeinden, wo Hauen und Stechen um jeden Euro Kommunalsteuer das Motiv und eine unfassbare Zersiedelung und Zerspragelung des Landes das Ergebnis ist. Wenn das Kirchturmdenken dem Kooperationsgedanken endlich weichen würde (was noch lange dauern wird; ich bin zwar Optimist, aber nicht naiv!), wäre der Weg frei für Sinn statt Unsinn, Nutzen statt Schaden und Ersparnis statt Verschwendung.
Und wer Zeit hat zu lesen, wenn es finster und kalt wird, dem sei ans warme Herz gelegt:
Sabine Peters: Abschied (Berliner Taschenbuch Verlag)
Ignacio Padilla: Schatten ohne Namen (Tropen Verlag)
Weil es nutzlos ist, den Jahresrest (38 Tage) ausschließlich mit arbeiten zu verbringen...
rauch - 23. Nov, 12:42
Politiker an die Schulen!
Molterer war an einer Schule, weil er eine PR-Aktion für sich wollte. Das ist schäbig, weil das Motiv durchsichtig und die Absicht unlauter war. Es geht auch anders:
Die Landesberufsschule Feldkirch hat heute eine Diskussion rund um das Thema "Asyl" veranstaltet. Rund 150 SchülerInnen der Abschlußklassen haben daran teilgenommen (mussten daran teilnehmen, weil es eine Schulveranstaltung war...).
Eingeladen zur Diskussion wurden der ÖVP-Klubobmann und der Grünen-Klubobmann im Landtag. Es moderierte ein Journalist.
Die Jugendlichen waren aufmerksam, haben eine Fülle von Fragen gestellt, sich an der Diskussion beteiligt und keiner ist dem anderen auch nur einmal ins Wort gefallen. Es fiel kein einziger ausländerfeindlicher Satz. Selbstverständlich gab es unterschiedliche Meinungen zum Thema, aber vorherrschend war die Bereitschaft, sich zu informieren - auch über unterschiedliche Positionen von zwei Parteien.
Man kann also Diskussionen zu diesem Thema auch vernünftig führen. Jedenfalls mit Jugendlichen, jedenfalls an dieser Schule.
Fazit: MEHR politische Bildung, mehr Diskussion über aktuelle politische Fragen an den Schulen!
Die Landesberufsschule Feldkirch hat heute eine Diskussion rund um das Thema "Asyl" veranstaltet. Rund 150 SchülerInnen der Abschlußklassen haben daran teilgenommen (mussten daran teilnehmen, weil es eine Schulveranstaltung war...).
Eingeladen zur Diskussion wurden der ÖVP-Klubobmann und der Grünen-Klubobmann im Landtag. Es moderierte ein Journalist.
Die Jugendlichen waren aufmerksam, haben eine Fülle von Fragen gestellt, sich an der Diskussion beteiligt und keiner ist dem anderen auch nur einmal ins Wort gefallen. Es fiel kein einziger ausländerfeindlicher Satz. Selbstverständlich gab es unterschiedliche Meinungen zum Thema, aber vorherrschend war die Bereitschaft, sich zu informieren - auch über unterschiedliche Positionen von zwei Parteien.
Man kann also Diskussionen zu diesem Thema auch vernünftig führen. Jedenfalls mit Jugendlichen, jedenfalls an dieser Schule.
Fazit: MEHR politische Bildung, mehr Diskussion über aktuelle politische Fragen an den Schulen!
rauch - 20. Nov, 16:23
Wieder.Wahl.
Und dann war da noch die Landesversammlung der Vorarlberger Grünen am Freitag, wo ich wiedergewählt worden bin als Landessprecher. Seit 1997 im Amt. Ganz schön lange...
Auf Schitour durch eine unfassbar kitschig verschneite Berglandschaft ließ ich die Jahre revue passieren. Schaute nach vorne, auf das Wesentliche, das so leicht untergeht im Tagesgeschäft:
um einen fairen sozialen Ausgleich zu streiten und für eine Umwelt, die Lebensqualität bieten und nicht Bedrohung darstellen soll; nicht preiszugeben, was unverhandelbar ist; weiterhin auf Meinungsumfragen zu pfeifen; hartnäckig zu bleiben; niemals den Dialog zu verweigern; fortlaufend das eigene Tun kritisch zu hinterfragen; die Zuversicht nicht zu verlieren und schon gar nicht die Utopie.
Und für den Wochenanfang gibt´s ein sattes Sommerbild, für die, denen der Winter zu früh gekommen ist:

Auf Schitour durch eine unfassbar kitschig verschneite Berglandschaft ließ ich die Jahre revue passieren. Schaute nach vorne, auf das Wesentliche, das so leicht untergeht im Tagesgeschäft:
um einen fairen sozialen Ausgleich zu streiten und für eine Umwelt, die Lebensqualität bieten und nicht Bedrohung darstellen soll; nicht preiszugeben, was unverhandelbar ist; weiterhin auf Meinungsumfragen zu pfeifen; hartnäckig zu bleiben; niemals den Dialog zu verweigern; fortlaufend das eigene Tun kritisch zu hinterfragen; die Zuversicht nicht zu verlieren und schon gar nicht die Utopie.
Und für den Wochenanfang gibt´s ein sattes Sommerbild, für die, denen der Winter zu früh gekommen ist:

rauch - 18. Nov, 18:13
Fundstück
Manchmal suche ich in meinen Büchern bestimmte Passagen. Das endet dann meist wie googlen: Ich lande überall, nur nicht dort, wo ich hinwollte. Dafür finden sich dann Raritäten (wieder), wie diese:
Sowenig das Individuum in der Gruppe und eine Gesellschaft unter den anderen allein ist, sowenig auch ist der Mensch allein im Universum. Wenn der Regenbogen der menschlichen Kulturen endlich im Abgrund seiner Wut versunken sein wird, dann wird - solange wir bestehen und solange es eine Welt gibt - jener feine Bogen bleiben, der uns mit dem Unzugänglichen verbindet, und uns den Weg zeigen, der aus der Sklaverei herausführt und dessen Betrachtung dem Menschen, auch wenn er ihn nicht einschlägt, die einzige Gnade verschafft, der er würdig zu werden vermag: nämlich den Marsch zu unterbrechen, den Impuls zu zügeln, der ihn dazu drängt, die klaffenden Risse in der Mauer der Notwendigkeit einen nach dem anderen zuzustopfen und damit sein Werk in demselben Augenblick zu vollenden, da er sein Gefängnis zuschließt; jene Gnade, nach der jede Gesellschaft begehrt, wie immer ihre religiösen Vorstellungen, ihr politisches System und ihr kulturelles Nievau beschaffen sein mögen; jene Gnade, in die sie ihre Muße, ihr Vergnügen, ihre Ruhe und ihre Freiheit setzt; jene lebenswichtige Chance, sich zu entspannen, loszulösen, das heißt die Chance, die darin besteht, in den kurzen Augenblicken, in denen es die menschliche Gattung erträgt, ihr bienenfleißiges Treiben zu unterbrechen, das Wesen dessen zu erfassen, was sie war und immer noch immer ist, diesseits des Denkens und jenseits der Gesellschaft: zum Beispiel bei der Betrachtung eines Minerals, das schöner ist als alle unsere Werke; im Duft einer Lilie, die weiser ist als unsere Bücher; oder in dem Blick - schwer von Geduld, Heiterkeit und gegenseitigem Verzeihen -, den ein unwillkürliches Einverständnis zuweilen auszutauschen gestattet mit einer Katze.
(Claude Lévi-Strauss, TRAURIGE TROPEN, Originalausgabe 1955, deutsch 1978)
Bei aller späteren Kritik an seinem Forschen wahrlich ein Perlchen - finden unsere Katze und ich.
Sowenig das Individuum in der Gruppe und eine Gesellschaft unter den anderen allein ist, sowenig auch ist der Mensch allein im Universum. Wenn der Regenbogen der menschlichen Kulturen endlich im Abgrund seiner Wut versunken sein wird, dann wird - solange wir bestehen und solange es eine Welt gibt - jener feine Bogen bleiben, der uns mit dem Unzugänglichen verbindet, und uns den Weg zeigen, der aus der Sklaverei herausführt und dessen Betrachtung dem Menschen, auch wenn er ihn nicht einschlägt, die einzige Gnade verschafft, der er würdig zu werden vermag: nämlich den Marsch zu unterbrechen, den Impuls zu zügeln, der ihn dazu drängt, die klaffenden Risse in der Mauer der Notwendigkeit einen nach dem anderen zuzustopfen und damit sein Werk in demselben Augenblick zu vollenden, da er sein Gefängnis zuschließt; jene Gnade, nach der jede Gesellschaft begehrt, wie immer ihre religiösen Vorstellungen, ihr politisches System und ihr kulturelles Nievau beschaffen sein mögen; jene Gnade, in die sie ihre Muße, ihr Vergnügen, ihre Ruhe und ihre Freiheit setzt; jene lebenswichtige Chance, sich zu entspannen, loszulösen, das heißt die Chance, die darin besteht, in den kurzen Augenblicken, in denen es die menschliche Gattung erträgt, ihr bienenfleißiges Treiben zu unterbrechen, das Wesen dessen zu erfassen, was sie war und immer noch immer ist, diesseits des Denkens und jenseits der Gesellschaft: zum Beispiel bei der Betrachtung eines Minerals, das schöner ist als alle unsere Werke; im Duft einer Lilie, die weiser ist als unsere Bücher; oder in dem Blick - schwer von Geduld, Heiterkeit und gegenseitigem Verzeihen -, den ein unwillkürliches Einverständnis zuweilen auszutauschen gestattet mit einer Katze.
(Claude Lévi-Strauss, TRAURIGE TROPEN, Originalausgabe 1955, deutsch 1978)
Bei aller späteren Kritik an seinem Forschen wahrlich ein Perlchen - finden unsere Katze und ich.
rauch - 17. Nov, 09:38
Schön, wie das Hässliche gezeigt wird!
Wenn man so umherstreunt im Internet, stösst man auf allerlei Faszinierendes. Unter anderem auf geradezu entwaffnende Offenheit mancher Unternehmen.
Über die Schiliftmonströsitäten im Bregenzerwald war hier schon ausreichend die Rede - im Zusammenhang mit Mellau-Damüls.
Nicht bekannt war mir aber bis zu einem zufälligen Besuch auf der website des Schigebietes Hochhäderich dass dort mit Stolz die "Bauarbeiten" in vormals intakter Natur und Landschaft in vielen bunten Bildern präsentiert wird. Hier gehts zur ... Fotogalerie.
Weil ein Mitbetreiber gleichzeitig Bauunternehmer ist, zeigt der unter dem sinnigen Motto "wir zeigen´s ihnen!" wo baumässig mit schwerem Gerät der Hammer hängt: Bachverbau, Forstwegebau, Schipistenbau, - alles da. Durchklicken lohnt sich!

Über die Schiliftmonströsitäten im Bregenzerwald war hier schon ausreichend die Rede - im Zusammenhang mit Mellau-Damüls.
Nicht bekannt war mir aber bis zu einem zufälligen Besuch auf der website des Schigebietes Hochhäderich dass dort mit Stolz die "Bauarbeiten" in vormals intakter Natur und Landschaft in vielen bunten Bildern präsentiert wird. Hier gehts zur ... Fotogalerie.
Weil ein Mitbetreiber gleichzeitig Bauunternehmer ist, zeigt der unter dem sinnigen Motto "wir zeigen´s ihnen!" wo baumässig mit schwerem Gerät der Hammer hängt: Bachverbau, Forstwegebau, Schipistenbau, - alles da. Durchklicken lohnt sich!

rauch - 13. Nov, 21:54