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Kleine Meldung - großes Echo...

Man sollte Internetpostings ja nicht überbewerten, aber was auf die folgene kurze Meldung so alles abgesondert wurde, ist dann doch beachtlich:

Schüsse auf feiernden Türken
Bregenz - Die lautstarken Siegesfeiern der türkischen Fans nach dem Erfolg ihrer Mannschaft gegen Kroatien haben in Bregenz offenbar die Emotionen hochkochen lassen. Bilder
Schüsse auf feiernden Türken
In einer Wohnsiedlung in Bregenz-Vorkloster gab ein Unbekannter mit einem Luftdruckgewehr einen Schuss ab, dabei wurde ein 18-jähriger türkischer Fan am Kopf getroffen.

Laut Polizei musste er mit einer blutenden Wunde ins LKH Bregenz eingeliefert werden, wo ihm das in der Kopfhaut stecken gebliebene Diabolo-Geschoss entfernt wurde. Der Schütze konnte noch nicht ermittelt werden.


Der Zwischenfall ereignete sich um Mitternacht. "Die türkischen Fans haben groß gefeiert, das Gebiet dort ist dicht verbaut", schilderte Heinz Metzler, Kommandant der Polizeiinspektion Bregenz, die Situation. Es sei so laut gewesen, dass niemand die Abgabe des Schusses gehört habe. Noch stehe nicht fest, aus welcher Wohnung geschossen worden sei. "Die Erhebungen sind am Laufen. Wir überprüfen alle Wohnungen, die infrage kommen", sagte Metzler.

Hier die Reaktionen bis heute, 15 Uhr:

Tuerkei-Halbfinaleinzug-Postings (pdf, 136 KB)

Ganz wohl ist mir selbst dann nicht, wenn ich versuche, das als Mischung aus rechtem Rabaukentum, Dummheit, Provokation und Türken-bashing zu sehen. Verbal, aber nicht real gewaltätig.
Noch?...

Klare Verhältnisse

Heute spielt im Viertelfinale: Portugal gegen Deutschland.
Auf der Großbaustelle im Tiroler Inntal (Bahnausbau) ist auf den Arbeiterwohncontainern die porugiesische Flagge gehisst.
Weiter vorne auf der Strecke, wo gearbeitet wird, weht von der Zentrale der Bauleitung die deutsche Flagge.
Chef am Bau sind die Deutschen. Wer Chef am Platz ist, wird sich weisen...

portug

Nach dem D-Day...

Dienstag war D-Day: für die Österreichische Fußballnationalmannschaft (0:1 gegen Deutschland) und für Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (0:1 gegen die eigene Partei).
Daß Österreich gegen Deutschland verliert ist weder einmalig noch sind die Folgen für das Land besonders nachhaltig.
Dass ein amtierender Bundeskanzler von der eigenen Partei nach nur zwei Jahren im Amt aber (scheibchenweise und auf Raten) demontiert wird ist sowohl einmal wie auch mit Folgen behaftet.
Die "Regierungsarbeit" , sofern eine solche überhaupt noch ausgemacht werden kann, wird vollständig zum Erliegen kommen. Von der gesamten Palette an Reformvorhaben und Projekten dieser GroKo ist kein einziges relevantes umgesetzt:
Gesundheitsreform, Pflegesicherung, Bildungsreform, Steuerreform: alles Fehlanzeige oder nur noch vorhanden in nicht wiedererkennbaren Fragmenten. Das "Herzstück der großen Koalition" (O-Ton Gusenbauer und Molterer), die Staats- und Verwaltungsreform ist überhaupt mausetot.
Österreich wird, wenn die EM-Euphorie verklungen ist, in einen Dauerwahlkampf stolpern...

Irren die Iren?

Das gemeine irische Folk (Copyright by Flann O´Brien) hat nein gesagt. Nicht grundsätzlich zu allem, aber zum Vertrag von Lissabon. Also gilt weiter der Vertrag von Nizza. (Was noch nicht zwingend bedeutet, dass Portugal nicht, Frankreich hingegen schon Europameister wird).
Warum die Iren nein gesagt haben, werden klügere Köpfe besser analysieren. Jedenfalls ist der Jubel groß - aus ganz unterschiedlichen Kehlen und mit völlig unterschiedlichen Motiven.
Wer das Scheitern des Vertrages von Lissabon bejubelt, sollte allerdings auch dazu sagen, dass damit auf lange Zeit alles so bleibt wie es ist: Mit dem Vertrag von Nizza weiterwursteln heißt, das Demokratiedefizit, die mangelhafte Mitwirkung des Parlaments an der Gesetzgebung, der unzureichende Schutz der Grundrechte und das Fehlen sozialer Ziele werden ebenso fortgeschrieben, wie die bestehenden Handlungsblockaden der Union. Die Vertrauenskrise wird nicht überwunden, sondern vertieft.

Das Irische NEIN stellt Europa vor große Herausforderungen: eine „Reparatur“ durch eine zweit Abstimmung ist unsinnig, eine nochmalige „Reparatur“ des Vertrages unmöglich. Europa braucht einen Neustart.

Zum Beispiel einen Vertrag der europäischen Bürger und Bürgerinnen: Ein „European Act for Democracy“ soll ausschließlich jene Teile aus dem Verfassungsprozess aufnehmen, die unmittelbar die Rechte der BürgerInnen erweitert: Die Charta der Grundrechte, das europäische Volksbegehren, die Mitwirkungsrechte des Parlaments, die Zuständigkeit des EuGH, die Öffentlichkeit der Gesetzgebung, die Ziele und Werte der Union. Das europäische Parlament soll dazu einen Vorschlag bis Herbst erarbeiten. Dann sollte dazu eine europäische Volksbefragung stattfinden, die am selben Tag wie die EP-Wahl abgehalten werden soll. Auf Grundlage des Ergebnisses dieser Volksbefragung, werden die Parlamente diesen Kernvertrag ratifizieren.

Zu befürchten ist allerdings, dass es zu einem "Europa der zwei Geschwindigkeiten" kommen wird, wo die großen Staaten "Kerneuropa" bilden und sämtliche Vorgaben machen. Selbstverständlich ohne Parlament(e) und ohne demokratische Kontrolle.

Taktik ändern!

Nur wer bis zum Schluß sich durchklickt
der durchblickt:

Fussballtaktikweltweit08 (pps, 735 KB)

Nackte Zahlen, nackte Tatsachen

Tirol hat gewählt - oder anders formuliert: ein Erdrutsch hat sich ereignet. ÖVP und SPÖ haben dramatisch an Stimmen eingebüßt, die Grünen ebenfalls mehr als deutlich. Die Liste Dinkhauser hat aus dem Stand Platz zwei erreicht, die FPÖ hat deutlich zugelegt.In Zahlen (ohne Wahlkarten):

ÖVP 40,45% (49,9)
SPÖ 15,6% (25,8)
Grüne 10,4% (15,6)
FPÖ 12,6% (8)
Dinkhauser 18,3% (-)

Fünf erste Thesen dazu:

1. Die SPÖ zahlt fast die gesamte Zeche der großen Koalition
2. Es wird wieder Protest gewählt, wovon die Populisten profitieren
3. Der Trend läuft für Blau und gegen Grün - Platz 3 ist weit weg
4. Kommt in Tirol schwarz-blau, werden andere folgen
5. SPÖ, ÖVP und Grüne haben ein Problem

Tatsache ist, dass in Tirol die Van-Staa-ÖVP die absolute Mehrheit verloren hat, dass aber die Dinkhauser-ÖVP keine Koalition gegen sie bilden kann. Tatsache ist, dass die Van-Staa-ÖVP sich den Koalitionspartner aussuchen kann, aber jedenfalls sich einen aussuchen MUSS. Makel an jeder Koalition: es wird immer eine Koalition der Verlierer sein, es sei denn, es findet zusammen, was zusammengehört - Dinkhauser und Van Staa. Wovon jedoch nicht ausgegangen werden kann.

Ach ja: Inhalte und Themen waren in diesem Wahlkampf vollkommen uninteressant.

Alles in allem ziemlich unübersichtlich, die landes- und bundespolitische Lage...

immer wieder, immer wieder, immer wieder öööööööö........

Heute beginnt die Fußballeuropameisterschaft. Das ist fein, bringt aber eine Menge Probleme mit sich, zum Beispiel morgen: Tirol wählt einen neuen Landtag und das ist diesmal mindestens so spannend wie Österreich:Kroatien. Im Unterschied zum Fußballmatch ist in Tirol schon heute sicher, wer verlieren wird, nicht sicher ist aber, wer Landeshauptmann wird. Nach der Steiermark und Salzburg steht in Tirol ein amtierender Landeshauptmann vor dem Aus.
Daran ändert nicht einmal die Kandidatur von EM-Schiedsrichter Konrad Plautz auf der ÖVP Liste etwas....

Was berichtet die große Welt in dieser Woche über Österreich, den Nabel der (Fußball-)Welt?
Im ECONOMIST ein einziger Bericht: "Hands off our Vienness giant wheel," says Heinz-Christian Strache, the combative boss of the far-right Austrian Freedom Party". Grund: Strache sorgt sich, weil ein praivate-equity-fonds angeblich Gespräche über eine Beteiligung führt. Der Artikel schließt mit einem Rat an Strache:
"Perhaps the xenophobic party boss should read up on his city´s history. Vienna´s wheel was designed bei Walter Bassett - a Briton."

Immwer wieder, immer wieder, immer wieder Ööööösterreich!

Einfach: ja! Einfältig: nein!

Komplizierte Sachverhalte müssen vereinfacht werden, um sie nachvollziehbar zu machen. Gut so.
Wird allerdings die Schwelle zur Vereinfachung unterschritten, landet man bei der Einfalt. Schlecht, aber offenber nicht zu vermeiden. Die Vorarlberger FPÖ, zum Beispiel, behauptet, an der Teuerung seien Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel und Mineralölsteuer schuld, also müssten beide Steuern gesenkt werden. Meine Entgegnung gestern im Landtag:


Die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel wie Getreide, Speiseöl und Milch sind seit 2000 kontinuierlich gestiegen. Aber seit die Finanzkrise sich 2006 in den USA ausgeweitet hat, steigen sie dramatisch: Reis wurde seit Anfang 2006 um 217 Prozent teuerer, Weizen um 136 Prozent, Mais um 125 Prozent und Sojabohnen um 107 Prozent. Und der Grund dafür ist nicht die Mehrwertsteuer in Österreich, sondern die Tatsache, dass aufgrund der amerikanischen Kreditkrise Spekulanten und Hedge Fonds ihre Investitionen immer stärker aus hochriskanten Wertpapieren in Gold und Öl sowie in Mais, Weizen und andere Agrarrohstoffe verlagert haben. Oder präziser formuliert: Die Gier von Großinvestoren und Spekulanten treibt die Preise in astronomische Höhen. In einem Artikel der britischen Zeitschrift New Statesman heißt es dazu: „Genau wie der Boom bei den Immobilienpreisen, nährt sich die Warenpreisinflation selbst. Je mehr die Preise steigen und hohe Profite gemacht werden, desto mehr investieren auch andere, in der Hoffnung auf hohe Gewinne. Das Problem ist nur, wenn Sie zu den 2,8 Milliarden Menschen zählen, die mit zwei Dollar am Tag oder weniger auskommen müssen, bezahlen Sie vielleicht mit ihrem Leben für diese Profite!“
Wie dieses perverse Spiel funktioniert hat ABN Amro, ein Gigant am Finanzmarkt vorgezeigt:
Zuerst erwarb Amro ein einzigartiges Zertifikat, das es der Firma erlaubte, im Namen kleinerer Investoren an der Chicagoer Warenterminbörse zu spekulieren. Kurz darauf wurde ein Prospekt aufgelegt, in dem darauf hingewiesen wurde, dass Indien jetzt einen Ausfuhrstopp für Reis verhängt habe, was zusammen mit Missernten in mehreren Ländern zu einer Verknappung bei Reis geführt habe, um dann zu werben: „Jetzt ist es zum ersten Mal möglich, einen Anteil am Lebensmittel Nummer eins in Asien zu erwerben!“
ABN Amro konnte innerhalb von drei Wochen eine Profitrate von 20% realisieren. In dieser Zeit gab es – natürlich zufällig – in Chicago und anderen großen Zentren einen riesigen Anstieg der Investitionen an Reis….

Dass man mit Agrarrohstoffen schnelles Geld machen kann, hat sich sogar bis zu uns in die Provinz herumgesprochen: so hat die Sparkasse in einem Inserat am 1. März in Vorarlberger Tageszeitungen den „Wertpapierfrühling 2008“ verkündet und die Veranlagung in Rohstoffe als Alternative zur Subprimekrise beworben. Zitat: „Seit der Jahrtausendwende geht es mit den Rohstoffpreisen steil nach oben. Nützen Sie diesen Mega-Trend für Ihre persönliche Anlagestrategie!“ – Bild mit schönem Weizenfeld inklusive….

Die Gemeinschaft der Gläubigen an den alles regelnden und ausgleichenden Markt behauptet ja, dass dieser ausschließlich rationalen Kriterien wie Angebot und Nachfrage folge und so den Preis reguliere und damit alles in einer schönen Balance halte. In Wahrheit, so scheint mir, regieren dort, wo vermeintlich ökonomische Rationalität zuhause ist, zwei vollkommen unberechenbare Emotionen:Angst und Gier. Angst vor Verlusten und schrankenlose Gier nach Profit. Es ist kein System der Vernunft, das die Finanzmärkte dominiert, sondern der blanke Irrsinn.

Die zweite Ursache für die Inflationsspirale sind die Agrotreibstoffe.
Die Investments in den Biotreibstoffsektor sind von 5 Milliarden USD in 1995 auf 38 Milliarden USD in 2005 gestiegen. Amerikanische Farmer haben 30% ihres Maisanbaues auf die Produktion von Ethanol umgestellt. Und – letzte Zahl: Ein Mensch kann 365 Tage mit jener Getreidemenge ernährt werden, die ein SUV für eine Tankfüllung Ethanol-Sprit braucht.
Der Rückgang der Produktion von Getreide als Nahrungsmittel trägt nicht nur dazu bei, dass die Preise für Grundbedarfsgüter rasch ansteigen, sie führt auch dazu, dass die Nahrungspreise parallel zum Ölpreis entwickeln. Josette Sheeran vom Welternährungsprogramm sagt: „In vielen Teilen der Welt bewegen sich die Nahrungspreise in Richtung der Treibstoffpreise. Immer größere Mengen von Nahrungsmitteln werden von den Energiemärkten für die Produktion von Agrotreibstoffen aufgekauft.“ Anders formuliert: Statt auf dem Teller landen Nahrungsmittel im Tank.

Und wenn die Rohstoffanalysten der Deutschen Bank feststellen, „wir glauben, dass die Kursrallye in ihren Kinderschuhen steckt“ und Futures – für Dezember heurigen Jahres - mit Weizen um mindestens 75% steigen (nach den Zahlen der CHX), dann sind das für Spekulanten gute Nachrichten, für alle, die mit immer weniger Geld Nahrungsmittel kaufen müssen schlechte und für jene, die jetzt schon Hunger leiden eine Katastrophe.

Schlussfolgerungen:
- Spekulationen mit Nahrungsmitteln sind eine Perversion und keine Anlagestrategie
- Eine Finanztransaktionssteuer ist der einzige Weg, diesen Finanzmarktirrsinn einigermaßen in die Schranken zu weisen
- Agrarsubventionen, die Kleinbauern in den Entwicklungsländern aus dem Markt drängt müssen beendet werden
- Je mehr Lebensmittel aus der Region gekauft werden umso besser: dann bleibt das Geld im Land, der Anreiz zu produzieren für die Landwirtschaft steigt, weil es einen fairen Preis gibt und Milch muss nicht mehr weggeschüttet werden
- Je schneller wir unsere Abhängigkeit von Öl und Gas überwinden, umso besser werden wir in Zukunft leben

6 Milliarden jährlich

Und das ganze nennen sie dann "Konsolidierungsbedarf" statt Budgetkürzung.

MenschenMeinungen

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